Die Aussagen einzelner Fed-Mitglieder lesen sich immer kontroverser. Nachdem es in den vergangenen Wochen immer wieder auf Hinweise zu einer Verabschiedung von QE3 im Rahmen der Januar-Zinssitzung der Zentralbank kam, blieb diese Ankündigung in dieser Woche aus. Staatdessen wurde mitgeteilt, die Nullzinspolitik bis 2014 beizubehalten. Nun ließ Jeffrey Lacker, Präsident der Federal Reserve Bank of Richmond, mit der Aussage aufhorchen, dass die US-Zinsen bereits vor dem Jahr 2014 angehoben werden müssen, um einen Anstieg der Inflation zu verhindern.

Die Uneinigkeit im Offenmarktausschuss der Fed scheint sich zu vergrößern

Er sei keineswegs der Ansicht, dass es unter den heutigen ökonomischen Bedingungen wahrscheinlich anmute, den außergewöhnlich niedrigen Leitzins der US-Zentralbank über einen derart langen Zeitraum zu garantieren, wie Lacker in einer Erklärung auf der Webseite der Richmond Fed publik machte. Damit unterstreicht Lacker seine abweichende Meinung in Bezug auf die am 25. Januar getroffene Zentralbankentscheidung, den US-Leitzins bis Ende 2014 nahe Null zu belassen. Sollte die wirtschaftliche Expansion in den USA voranschreiten – wenn auch nur in einem sehr langsamen Tempo – müsse der Leitzinssatz angehoben werden, um das Aufkommen inflationären Drucks zu vermeiden, so Lacker. Fed-Chef Ben Bernanke ist es seit Juni 2011 nicht gelungen, Einstimmigkeit unter den Mitgliedern des Offenmarktausschusses herzustellen, nachdem dessen jüngste Entscheidungen teils vehemente Kritik seitens fünf hochrangiger US-Politiker hervorrief, die sich entweder für mehr oder gegen weitere Konjunkturanreize aussprachen. Lacker hat in dieser Woche als einzig stimmberechtigtes Mitglied gegen die Entscheidung des Offenmarktausschusses votiert, das Versprechen langfristig niedriger Zinsen aufrecht zu erhalten. Die Fed hatte ihren Leitzins im Dezember 2008 auf praktisch Null Prozent gesenkt und seitdem zwei Runden von Vermögenswertaufkäufen in einem Gesamtwert von $2,3 Billionen beschlossen. Dadurch versuchte sie die heimische Wirtschaft anzukurbeln und die Arbeitslosenquote zu reduzieren, die im Dezember 2011 offiziell bei 8,5 Prozent notierte.

Der Offenmarktausschuss werde eine sehr anpassungsfähige Haltung zur Geldpolitik in den USA beibehalten, wie es in einer Erklärung des FOMC hieß. Die aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen – darunter eine sich deutlich reduzierende Rohstoffnachfrage und ein mittelfristig gedämpfter Ausblick für die Inflationsentwicklung – würden wahrscheinlich außergewöhnlich niedrige Leitzinsen bis mindestens Ende 2014 garantieren. Lacker fügte an, dass er sich ebenfalls gegen die Festsetzung eines Termins für eine erste Zinserhöhung durch den Offenmarktausschuss ausspreche und insistierte darauf, dass derartige Informationen besser in der Zusammenfassung der ökonomischen Prognosen der Zentralbank (Summary of Economic Projections) zur Verfügung gestellt werden sollten. Bernanke erklärte nach der Zinssitzung im Rahmen einer Pressekonferenz, dass die Option weiterer Anleihekäufe in großen Umfang immer noch auf dem Tisch liege. Wenn die derzeitige Situation anhalte, die Inflation unter den Zielvorgaben der Fed verharre und die Arbeitslosigkeit in einem zu langsamen Tempo sinke, sei es nur logisch, nach Wegen zu suchen, um noch mehr zu tun, so Bernanke. Im Rahmen der Zinstreffen der Fed im November und Dezember widersprach der Charles Evans, Präsident der Fed of Chicago, bereits den Forderungen, die Geldpolitik abermals zu lockern, um die Wirtschaft zu stimulieren. Im August und September sprachen sich Charles Plosser, Präsident der Fed of Philadelphia, Richard Fisher, Präsident der Fed of Dallas und Narayana Kocherlakota, Präsident der Fed of Minneapolis, gegen Entscheidungen aus, weitere Konjunkturanreize zu verabschieden. Laut Lacker avanciere das Programm der Zentralbank langsam aber sicher zu einer Finanzpolitik, von der er glaube, dass diese im Verantwortungsbereich des Finanzministeriums angesiedelt sei.